Interview 05. Januar 2008 BNA Germany
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Neu auf dem Buchmarkt: "KARAN"
05-01-08 11:25
Alter: 11 hrs ![]()
VON: ACT
Sonju DiCarmen, so der Künstlername der Autorin des Liebesromans "Karan" veröffentlicht ihr Erstlingswerk, welches ab sofort über den Imprint-Verlag und Amazon.de bestellbar. Die Autorin lies sich für ihren Roman sowohl durch Bollywood als auch vom Land Indien, welches sie bereits mehrere Male bereiste, inspirieren und bettete in diesen kulturellen Hintergrund auch ihre Geschichte zweier sich liebender Männer ein.
In ihrem Roman bricht Sonju DiCarmen viele gesellschaftliche Tabus rund um Homosexualität, Sex und Liebe. Auch das Thema Aids-Prävention ist der Autorin wichtig. Deshalb entschied sie sich, dass 50 Cent jedes verkauften Exemplares an eine Aids-Stiftung gehen werden: "Gerade weil Aids noch immer häufig der schwulen Welt 'untergejubelt' wird, möchte ich mit Karan aufzeigen, dass das genauso dumm ist, wie eine homosexuelle Liebe nicht als gleichwertig anzusehen".
Weitere Informationen zum Buch finden Sie unter:
www.sonjudicarmen.de
www.imprint-verlag.de
www.amazon.de
ISBN 978-3-936536-23-2
Preis: 29,80 Euro
Die Autorin spricht über ihren Liebesroman "Karan"![]()
Wieso sind Deine Charaktere Inder?
Dafür gab es keinen besonderen Grund. Mir gefielen die Namen meiner Protagonisten einfach schon immer sehr gut. Und ich dachte, wenn man als am Anfang formloser Protagonist einen indischen Namen bekommt, kann man kein Deutscher oder Japaner sein. Aber wenn ich genau nachdenke: Nicht alle meine Charaktere sind Inder. Sogar die "Inder" selbst nicht. Im Grunde ist z.B. Karan ein englischer, kleiner Snob. Durch und durch westlich. Er liebt seine Welt in England (dort ist er nunmal geboren), das wahre Indien ist ihm nicht bekannt. Jonathan und Clara sind zum Beispiel ebenso Engländer. Und Dev ist ja der Sohn einer Engländerin und eines indischen Reiseleiters.
Wieviel vom Buch spielt in Indien oder greift die indische Kultur auf?
Im Wesentlichen ist die indische Kultur quer durch Karan zu erfühlen. Man findet hier und dort immer mal wieder einen Hinweis, z.B. den unterschiedlichen Speisen, der Wärme des Landes im krassen Gegensatz zur Kühle von England, den Glauben und den Zusammenhalt, das Lachen usw... Ich könnte nicht auf Anhieb sagen: in dieser und jener Szene ist Indien.... denn man fühlt es eigentlich immer. In Tara, in Dev - in Karans Familie. Indien und England sind immer gegenwärtig.
Wieviel vom Buch spielt in Indien? Örtlich gesehen findet man Indien in der zweiten Hälfte des Buches. Dev und Karan reisen nach Amritsar, verleben auch Zeit in Delhi. Ich beschreibe nicht nur die diversen Sehenswürdigkeiten wie Chadni Chowk, den goldenen Tempel oder die Jama Masjid, sondern auch das Leben an sich. Die Kühe mitten auf der Straße, die mobilen Restaurants, die Atmosphäre, die Luft, die Farben, die bunten Saris.
Inwiefern haben Dich deine London- und Indien-Aufenthalte zum Buch oder beim Schreiben selbst inspiriert?
Ich würde sagen, meine Aufenthalte haben mich zu hundert Prozent inspiriert. England ist so herrlich versnobt und gleichzeitig so freundlich, hilfsbreit und dann wiederum so extrem anders.
Und Indien ist sowieso ein Märchen wie 1001 Nacht. Ich habe einmal gelesen, dass man einen Kulturschock bekäme, wenn man nach Indien reist. Das war bei mir nie so. Ich habe den Schock bekommen, als ich wieder in Deutschland ankam. Keine Kuh, die an mir vorbeitrippelt, kein lachender Chai-Verkäufer - alles ist einfach anders und kühler. Das liegt aber nicht an Deutschland. Selbst, als ich während eines Zwischenstopps in Istanbul landete, traf mich dieser krasse Gegensatz. Ich denke, dieses Gefühl ist schwer zu erklären, man muss es erlebt haben, um es zu verstehen.
Was wichtig war, denke ich, ist, dass ich mir wirklich die Tempel und Städte angesehen habe, über die ich in Karan berichte. Wenn ich schreibe, sehe ich die Orte und die Mauern der diversen Tempel direkt vor mir. Natürlich hoffe ich, dass die Leser in ihrer Phantasie genauso die Türmchen, die Kuppeln und die blauen Wolken sehen können, wie ich. Gut, ich muss zugeben, in Band I der Karan - Saga kommt meine Lieblingsstadt London etwas kurz, aber ich kann jetzt schon sagen, dass in der Fortsetzung der Saga (Buchtitel: DEV) viel von London an die Leser weitergegeben wird. Man bekommt sozusagen eine kleine Stadtführung.
Welche Menschen haben Dich zu den Charakteren inspiriert?
Obwohl jede meiner Figuren fiktiv ist, habe ich diverse Eigenschaften meines Umfeldes verwandt, um meinen Protagonisten Wärme, Leben und Realität einzuhauchen. Hauptsächlich kann man aber mich (Charaktereigenschaften von Dev) und meine beste Freundin (Charaktereigenschaften von Karan) in meinem Buch finden. Zusätzlich habe ich auch diverse Erlebnisse meines Lebens in Karan verarbeitet. Die Rückenleiden meines Mannes, den Tod meiner Mutter, Schwierigkeiten bei der Jobsuche, wenn man zwar Know How, aber keine Zeugnisse hat usw...
Gibt es da Verbindungen zu Karan Johar oder Shahrukh Khan?
Nein. Oder ja, doch könnte man sagen. SRK ist für mein Buch nicht relevant. Aber Karan Johar ist einer der "Mit-Auslöser" gewesen, warum ich mein Buch zusammenfasste. Ich sage zusammenfasste, weil mein Buch eine Zusammenfassung aus ganz vielen Kurzgeschichten ist. Ich habe schon etliche Stücke geschrieben - sie aber immer nur für mich genutzt. Und irgendwann eben einen Großteil dieser Geschichten zusammengefasst. Wobei genau hier Karan Johar ins Spiel kommt, bzw die Erklärung, warum er einer der Auslöser war:
Und zwar sah ich vor ca 2 Jahren auf der Homepage von mahiram ein Foto von Karan Johar, der damals eigentlich noch recht "Unbekannt" war und kaum in der Öffentlichkeit auftrat. Unter dieses Bild konnte man, wie bei allen anderen Fotos auch, seine Meinung posten. Leider verwechselten dort ein paar engstirnige, bösartige Menschen das Wort Meinungsfreiheit mit wüster Beschimpfung. Die halbe Welt konnte deshalb dumme, schwulenfeindliche Witze lesen. Das hat mich aufgeregt, verletzt, nachdenklich gestimmt. KJ hat sich nie geoutet, woher will man also wissen, welche sexuelle Neigung er hat? Und wenn er tatsächlich schwul ist, wen hat das zu interessieren ausser ihn und seinen Freund? Und warum zur Hölle muss man so bösartige Dinge sagen oder schreiben, nur weil jemand anders als man selbst ist? Für mich persönlich ist es normal bzw überhaupt nicht befremdlich, dass es Homosexualität gibt. Ich bin ein großer Fan von Thomas Herrmanns (Comedian), Hella von Sinnen, Rosenstolz usw ..Großartige Menschen und wertvolle Mitglieder der geschätzten Gesellschaft. Mir würde niemals einfallen, einen dieser tollen Entertainer zu beleidigen, nur weil er/sie eine andere sexuelle Orientierung hat. Naja, und gerade weil eine sexuelle Orientierung nichts "schlimmes" ist, schockten mich diese bösen über KJo Kommentare sehr. Und genau deshalb - als kleine Revolte und auch Entschuldigung sozusagen - verpasste ich meinem Buch den Namen Karan. Natürlich auch, weil ich das Ramayan (indisches Epos) mag. Devs Sohn z.B. benannte ich nach dem dritten Prinzen der Pandavas. Arjun. Ein schnieker Jüngling mit Bogen.
Würdest Du deinen Film gern verfilm sehen?
Du meinst a la Brokeback Mountain? Hmm, warum nicht. Wobei ich das für recht schwierig halte, denn meine Protagonisten leben ja oftmals dadurch, dass ein omnipräsenter Erzähler deren Gedankengänge für den Leser erklären. Ausserdem denke ich, dass jeder Leser sich ein eigenes Bild des Helden formt. Wenn man ihm dann plötzlich ein Gesicht vorsetzt, dann könnte das genau im Gegensatz zur Vorstellung stehen. Wie gesagt, ich denke dennoch, dass es durchaus schön wäre, Karan zu verfilmen. Wobei ich hier nur auf unbekannte Schauspieler setzen würde, immerhin war Dev auch unbekannt und bekam die Chance, in Karans Theater zu sich selbst zu finden. Und natürlich würde ich nur zustimmen, wenn ich die Akteure mit aussuchen dürfte :-)
Wie kamst Du auf die Idee, einen Teil der Einnahmen an Aids-Stiftungen zu spenden?
Weil ich solche Stiftungen gut und wichtig finde. Obwohl gerade die europäischen Menschen aufgeklärt sind, gibt es zur Zeit ca 40.000 Menschen in Deutschland, die an dem Virus erkrankt sind. Und auch wenn es inzwischen Dank der Forschung Medikamente gibt, die das Leben der Betroffenen etwas erträglicher macht, sind wir noch weit davon entfernt, die Krankheit zu besiegen. Alleine die Ziffer der Menschen, die nach anfänglichem Verbessern der Gesundheit einen Rückfall erleiden, z.B. gegen die Medikamente wieder resistent werden, ist noch viel zu hoch. Hilfe ist wichtig. Forschung ist wichtig. Und deswegen spende ich.
Würdest Du vielleicht auch einen Teil der Einnahmen in indische Aids-Stiftungen stecken? SRK ist diesbezüglich ja auch sehr engagiert...
Nunja, ich finde es sehr gut, dass SRK sich engagiert - aber mich tangiert nicht, was wie wo wann er es macht. Ich bin zwar wirklich voller Bewunderung für jeden Künstler, der sich für Toleranz und diverse Stiftungen einsetzt, aber ich muss nicht unbedingt genau dorthin spenden, wo SRK sich engagiert. Natürlich hätte ich kein Problem damit, auch an eine indische Aids-Stiftung zu spenden - aber da mein Karan noch in den Anfangsschuhen steckt, und ich noch keine Millionen verdient habe (und nie werde) gehe ich einfach den kürzesten Weg. Und der ist im Moment die Deutsche Aidshilfe. Und vielleicht bin ich da etwas "verdorben" oder vorbelastet, weil ich von jeher für diese Institution gespendet habe. z.B. werden auf jedem Rosenstolz-Konzert Sammlungen veranstaltet, und die Erlöse an die Deutsche Aidshilfe abgegeben. Diese Institution ist mir also seit Jahren bekannt und ich fühle mich heimisch.
Wie leicht oder schwer war es, einen Verleger zu finden, der sich diesem Thema "Homosexualität" stellt?
Es ist grundsätzlich sehr schwer, einen Verleger zu finden. Und es ist noch schwerer, einen guten, offenen Verleger zu finden. Und wenn man dann noch über ein Thema schreibt, was sogar in den Augen des guten Papst Benedikt "nicht existent" ist, dann hat man erst Recht schwarze Karten. Ich muss jedoch sagen, dass ich persönlich sehr überrascht war, dass ein Teil der von mir angeschriebenen Verlage so offen reagierten. Ich nahm mir ursprünglich vor, drei große Verlage und drei kleine Verlage, die nicht massenhaft Bücher auf den Markt werfen, mit meinem Manuskript zu betrauen. Was wirklich überraschend war: gerade die kleinen Verlage waren sehr nett, tolerant und sogar zu einem Verlagsvertrag bereit.
Meinen jetzigen Verleger habe ich schließlich ausgewählt, weil ich dort völlig freie Hand hatte. Er stand mit mit Rat und Know How beiseite, ist an Flexibilität kaum zu übertreffen - und forderte kaum Rechte ein. Ein Partner eben.
Wie lang war der Weg vom der Planung des Buches, über das Schreiben an sich, hin zur Verlagssuche?
Grob zusammengefasst: zwei Jahre.
Wie gesagt, geplant habe ich eigentlich nicht. Ich fasste für die Karan - Saga (Teil zwei soll in 2008 erscheinen) diverse Geschichten zusammen, die ich bereits geschrieben habe. Die Überarbeitung - ich musste vieles (z.B. Namen, Schauplätze usw) umschreiben - dauerte ca 6 Monate. Dann verteilte ich das Manuskript an Probeleser, nahm deren Kritiken entgegen und schrieb erneut um. Ja, sogar eine Woche vor Druck nahm ich noch einmal Änderungen vor. Die Verlagssuche war im Gegensatz dazu sehr sehr kurz: 2 Monate.
Welche Schwierigkeiten traten in den einzelnen Prozessen dabei auf?
Die größte und eigentlich einzigste Schwierigkeit war mein Cover.
Auf keinen Fall wollte ich handelsübliche Cover, auf denen Männer mit Waschbrettbauch und nacktem Oberkörper zu sehen sind. Ich wollte keine Nische, sondern ein neutrales Bild, dass zum Lesen und Träumen einlädt. Ich wollte, das nicht nur die homosexuelle Community Karan liest, sondern dass auch jeder Hetero Karan als das erkennen kann, was er ist: eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen. ALSO kam nur ein neutrales Bild in Frage. Und da viele wichtige Gespräche in Karan an der Themse stattfinden, hatte ich ein sehr stures Bild im Kopf: Ich wollte eine Bank vor der Towerbridge mit zwei sich umarmenden Männern. Schön sollte es sein, neutral und vor allem warm und voller Freude. Leider bin ich zeichnerisch sowas von unbegabt, dass ich ohne meine Freundinnen Sigi Böhmer und Nena Fraile dieses Cover niemals hinbekommen hätte. Ich bin jetzt noch froh, dass beide Künstlerinnen - und das sind sie für mich, denn sie haben gezaubert! - mir nicht den Hals umgedreht haben. Wochenlang haben sie gebastelt, fotografiert, gemalt - und ich verzog die Nase. Aber im Endeffekt haben sie mich von den Socken gehauen!
Wir bedanken uns bei Sonju DiCarmen für das ausführliche Interview!
Weitere Informationen zum Buch finden Sie auf der Website der Autorin unter:
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